A. L.
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Ich bin schon oft im Deimann gewesen, aber zum ersten Mal in der Hofstube – und das war überfällig. Ich hatte einen tollen Platz mit Blick in die offene Küche. Allein das ist ein Erlebnis: ein unaufgeregtes, hochpräzises Team, das mit beeindruckender Ruhe arbeitet. Und: die Küche war zu Beginn blitzsauber und am Ende genauso wieder – kein Show-Pathos, einfach Professionalität.
Kulinarisch war das ein sehr starker Abend mit viel Handwerk und Timing. Die Amuses waren ein Statement: bretonische Auster mit Passionsfrucht-Vinaigrette und milder Jalapeño-Note, danach eine Hamachi-Tartelette mit schöner Schärfe und Umami-Crunch. Kleines Service-Detail, das hängen bleibt: ich habe nach den „Algen“ gefragt – der Service ist kurz in die Küche und kam direkt mit einer kleinen Algen-Combo zurück (Kombu). Genau diese Aufmerksamkeit macht’s.
Der Brotgang war gefährlich gut (Brot/Laugengebäck, gesalzene Butter, Zwiebelbutter aus der Bretagne, dazu Karottenbrot) – da muss man sich fast bremsen, damit man dem Menü nicht den Platz wegnimmt.
Zu den Gängen: Coquilles & Foie sehr sauber balanciert, Wachtel extrem präzise, und das Beef Wellington war eine andere Liga (zarter Aufbau, knusprig-blättriger Teig, ausgelegt mit Spinat, elegante Trüffelsauce – Benchmark). An Jamie Oliver: „da kannst Du mal lernen wie as geht“. Skrei war solide und klassisch, im Vergleich zu den Highlights einfach etwas weniger “spannungsgetrieben”.
Die Weinbegleitung war insgesamt sehr stimmig – und das Dessert-Finale (Zitrus/Passionsfrucht, knackige Textur) mit Pairing war für mich eines der besten, die ich so erlebt habe. Das war surreal gut.
Unterm Strich: ein Abend mit Ruhe, Präzision und echtem Handwerk. Der Stern ist mindestens verdient.